Therapie von metastasierendem Prostatakrebs

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Hormonentzugstherapie

Ein Prostatatumor benötigt zum Wachstum und seiner Ausbreitung das männliche Geschlechtshormon Testosteron. Daher ist die erste Wahl der Therapie bei einem metastasierenden Prostatatumor der Entzug dieses Hormons.

Das hormonelle Aushungern des Tumors wird von Medizinern als Hormonentzugstherapie, hormonablative Therapie oder Androgendeprivationstherapie (ADT) bezeichnet. Die Hormonwirkung kann über drei Wege beeinflusst werden:

  1. Durch die Gabe von Medikamenten, welche die Hormonproduktion in den Hoden senken.
  2. Durch operative Entfernung der Hoden.
  3. Durch die Gabe von Medikamenten, welche die Wirkung des Testosterons in der Prostata, den Krebszellen oder auch Metastasen blockieren (Antiandrogenen).

Fragen an Ihren Arzt zur Hormontherapie

  • Kann bei mir eine Hormonentzugstherapie von Nutzen sein? Warum?
  • Welche Form der Hormonentzugstherapie wäre für mich geeignet?
  • Ist bei mir eine Behandlung mit Antiandrogenen sinnvoll?
  • Wie lange dauert eine Hormonentzugstherapie?
  • Ist eine Spritze besser als Tabletten?
  • Mit welchen Nebenwirkungen habe ich zu rechnen?
  • Gibt es Möglichkeiten, die Nebenwirkungen abzumildern?
  • Lassen die Nebenwirkungen während oder nach dem Ende der Behandlung nach?
  • Kann die Behandlung jederzeit unterbrochen werden?
  • Woran erkenne ich, ob die Behandlung wirksam ist?
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Laut medizinischer Studien kann ggf. auch eine frühe Kombination eines Hormonentzugs mit einer Chemotherapie bei bestimmten Patienten (hormonsensitiv, hochrisiko) sinnvoll sein. Dies gilt insbesondere für Männer, die in einer körperlich guten Verfassung sind, d. h. die Nebenwirkungen und die Folgen der Behandlung besser verkraften können als geschwächte oder hochbetagte Patienten.

Hormonresistente Tumoren, die nicht mehr auf eine Hormonentzugstherapie reagieren

Bei der hohen Teilungsrate von Tumorzellen können über Jahre Zellvarianten auftreten, deren Wachstum nicht mehr so stark vom Testosteron abhängig ist. Mit der Zeit übernehmen diese „kastrationsresistenten“ Zellen zahlenmäßig den Tumor, der dann erneut zu wachsen beginnt.

Durch die bereits eingesetzten LHRH-Analoga oder LHRH-Antagonisten wird die Testosteronproduktion in den Hoden gesenkt. Das Hormon wird aber zu einem geringen Anteil auch in den Nebennieren hergestellt. An dieser „Produktionsstätte“ wirken die eingesetzten LHRH-Analoga oder LHRH-Antagonisten nicht, sodass die Testosteronproduktion nicht vollständig eingestellt wird. An dieser Stelle kommen die Antiandrogene ins Spiel. Sie blockieren die Aufnahme des noch verbliebenen Hormons in die Krebszellen.

Steigt trotz Hormonentzugsbehandlung der PSA-Wert erneut an, muss überprüft werden, ob der Testosteronspiegel im Blut ausreichend gesenkt ist (unter 50-20 ng/dl; siehe auch Testosteronkalender). Liegt ein niedriger Testosteronspiegel vor, kann angenommen werden, dass die Tumorzellen resistent geworden sind. Sie wachsen und vermehren sich also trotz Absenkung der Hormonkonzentration auf ein ähnliches Niveau wie bei einer Kastration (sog. Kastrationsresistenz). Jetzt können relativ neue antihormonelle Medikamente eingesetzt werden, die auch dann noch wirken, wenn sich der Krebs trotz niedrigen Testosteronspiegels weiter ausbreitet.

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Darüber hinausgehende Behandlungsschritte zielen darauf ab, Symptome der Erkrankung in Schach zu halten (z. B. Knochenschmerzen, Müdigkeit). Dazu stehen eine Palette neuerer Wirkstoffe zur Verfügung, auch in Verbindung mit einer Chemotherapie.

Chemotherapie

Versagt der Hormonentzug, können der Tumor und die Metastasen auch mithilfe einer Chemotherapie in ihrem Wachstum verlangsamt werden. Ziel ist es, die Folgen der Erkrankung möglichst gering zu halten, d. h. Beschwerden werden gelindert und die Lebenszeit verlängert. Eine Heilung durch Chemotherapie ist leider nicht möglich. Die sogenannten Chemotherapeutika (auch Zytostatika genannt) blockieren Vorgänge im Zellinneren, die für das Wachstum, die Teilung und den Stoffwechsel der Zellen wichtig sind. Dieser Vorgang benötigt Zeit. Es dauert daher Tage – manchmal sogar Wochen – bis eine erste Wirkung der Therapie spürbar wird.

Chemotherapie
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Obwohl die Nebenwirkungen einer Chemotherapie – im Vergleich zu früher – weniger stark sind, sollte die körperliche und auch psychische Verfassung des Patienten für diese Behandlung stabil sein. Ob eine Chemotherapie mehr Nutzen oder mehr Schaden bringt, muss in enger Beratung mit den behandelnden Ärzten individuell entschieden werden.

Wie wird mit Chemotherapeutika behandelt?

Bei einer Chemotherapie wird das Medikament mithilfe einer Infusion in sechs Zyklen alle drei Wochen gegeben. Die etwa einstündige Behandlung kann ambulant, im Krankenhaus oder einer Praxis durchgeführt werden. Nebenwirkungen können ein Grund sein, die Behandlung abzubrechen.

Bei manchen Patienten sind neben der Chemotherapie weitere Therapien notwendig. Häufig müssen Schmerzmittel eingesetzt werden oder Medikamente bzw. eine Bestrahlung, die bei Knochenmetastasen den Knochenstoffwechsel unterstützen. Weiter können Steroidhormone (Kortison) in Tablettenform eingesetzt werden, die ebenfalls schmerzlindernd sowie gegen Appetitlosigkeit und Müdigkeit wirken.

Wie wird mit Chemotherapeutika behandelt?

„Nachfragen lohnt sich“

Fragen zur Chemotherapie:

  • Welches Medikament empfehlen Sie mir? Warum?
  • Welchen Vorteil hat eine Chemotherapie in meiner Situation?
  • Überwiegt bei mir der Nutzen der Chemotherapie gegenüber den Folgen bzw. Nebenwirkungen?
  • Welche Möglichkeiten gibt es, um die Nebenwirkungen zu lindern?
  • Gehen diese Nebenwirkungen nach dem Ende der Behandlung wieder zurück?
  • Wie wird die Chemotherapie durchgeführt?
  • Kann die Behandlung unterbrochen werden?

Nebenwirkungen

Chemotherapeutika schädigen in erster Linie Tumorzellen, da diese sich häufiger teilen als gesunde Zellen. Die hohe und schnelle Teilungsrate macht sie anfällig für Medikamente, die in diesen Prozess eingreifen. Eine Chemotherapie wirkt nicht nur auf Krebszellen, sondern auf alle Zellen des Körpers (systemische Behandlung). Insbesondere werden gesunde Zellen in Mitleidenschaft gezogen, die sich ähnlich schnell teilen wie die Krebszellen. Dies betrifft in erster Linie Schleimhautzellen (Mund, Rachen- oder Darmschleimhaut), die z. B. beim Stoffwechsel sehr gefordert sind und daher öfter „erneuert“ werden müssen. Auch Haarwurzelzellen, blutbildende Zellen im Knochenmark oder Nerven in den Händen oder Füßen können betroffen sein.

Typische Nebenwirkungen

Blutbildveränderungen

Einige Medikamente stören die Bildung verschiedener Blutzellen, z. B. die der weißen und roten Blutkörperchen. Sinkt die Anzahl der für das Immunsystem wichtigen weißen Blutkörperchen, steigt das Risiko von Infektionen. Geht die Zahl der roten Blutkörperchen und der Blutplättchen zurück, kommt es häufig zu Kurzatmigkeit, Kopfschmerzen oder auch Zahn- und Nasenbluten. Werden Medikamente eingesetzt, die das Blutbild verändern, muss es regelmäßig kontrolliert werden. Sind die Nebenwirkungen bedenklich, muss über ein Abbrechen der Behandlung oder zumindest ein Absenken der Dosis nachgedacht werden. Bisweilen können zusätzlich Medikamente gegeben werden, welche die Blutbildung anregen.

Nervenschäden

Einige häufig eingesetzte Medikamente können die Nervenfasern in den Füßen und Händen schädigen. Typische Anzeichen dafür können Taubheitsgefühle, Kribbeln (wie Ameisenlaufen), Schmerzen in den betroffenen Regionen oder Gangunsicherheit sein. In der Regel sind diese Nebenwirkungen weniger stark ausgeprägt. Falls dennoch das Allgemeinbefinden stark darunter leidet, kann es notwendig sein, die Behandlung abzubrechen. Nach der Chemotherapie gehen die Beschwerden meist wieder zurück.

Haarausfall und Hautprobleme

Häufige Nebenwirkungen unter Chemotherapie sind Haarausfall und Hautprobleme. Bei etwa 10% der Patienten fallen während der Behandlung sämtliche Haare aus. Die Haut zeigt im Rahmen der Therapie oft Rötungen, Trockenheit oder Schuppenbildung mit Juckreiz. Auch die Nägel können sich verändern. Hierzu gehören Verfärbungen, Verdickungen oder Ablösen des Nagels. Der Haarausfall ist meist nur vorübergehend. Nach der Behandlung wachsen die Haare wieder nach. Eine Perücke kann helfen, die Zeit bis zum Nachwachsen der eigenen Haare zu überbrücken. Ob die Kosten für eine Perücke von der Krankenkasse übernommen werden, muss individuell abgeklärt werden. Trockene und gerötete Haut sollte mit lauwarmem Wasser schonend gewaschen und beim Abtrocknen nur sanft abgetupft werden. Ob und welche rückfettenden Cremes oder Lotionen geeignet sind, sollte mit einem Apotheker oder mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Übelkeit und Erbrechen

Gefürchtete Nebenwirkungen der Chemotherapie sind Übelkeit und Erbrechen. Weiter sind – aufgrund der angegriffenen Schleimhäute – Verstopfung, Durchfall, Bauchschmerzen oder Entzündungsreaktionen möglich. Übelkeit und Erbrechen können gezielt durch Medikamente behandelt werden. Hier sollte schon im Vorfeld der Chemotherapie mit dem Arzt gesprochen werden. Bei Entzündungen der Mundschleimhaut kann eine Mundspülung mit einem entzündungshemmenden Arzneimittel Abhilfe schaffen. Schmerzen, die durch eine Chemotherapie ausgelöst werden, können mit einem schmerzmittelhaltigen Pflaster behandelt werden. Nach dem Auftragen wird der schmerzlösende Wirkstoff über die Haut und schließlich über das Blutgefäßsystem aufgenommen.

Überempfindlichkeitsreaktionen

Im Rahmen der Chemotherapie werden bei einigen Medikamenten Zusatzstoffe verwendet, auf die der Körper allergisch reagieren kann. Dies kann sich unter anderem durch Hautrötungen, verengte Atemwege und Atembeschwerden oder Blutdruckabfall äußern. Allergische Reaktionen auf Bestandteile eines in der Chemotherapie eingesetzten Medikamentes lassen sich durch die Gabe anderer darauf ausgerichteter Medikamente weitgehend vermeiden. Ggf. ist auch ein Wechsel des Chemotherapeutikums sinnvoll.

Umgang mit krebsbedingten Schmerzen

Müssen trotz Hormon- und Chemotherapie krebsbedingte Schmerzen vor allem in den Knochen behandelt werden, kann neben schmerzlindernden Medikamenten auch eine Bestrahlung der betroffenen Region sinnvoll sein. Mit einer Bestrahlung von außen oder aber auch von innen (mit Radionukliden) können die angegriffenen Knochen wieder stabilisiert und die Schmerzen spürbar gelindert werden.

Bei der Bestrahlung von innen werden strahlende Teilchen direkt in den betroffenen Knochen nahe der Metastasen eingesetzt. Weiter kann mit bestimmten Medikamenten (Bisphosphonate) der Knochenstoffwechsel aufbauend unterstützt werden. Eine weitere Möglichkeit, Knochenmetastasen zu schädigen, ist die intravenöse Gabe eines radioaktiven Stoffes (Radium-223), der sich bevorzugt in den von Metastasen befallenen Knochen einlagert. Sind Metastasen schon in andere Organe eingewandert, soll Radium-223 nicht angewendet werden.

Wichtig ist eine frühzeitig einsetzende Schmerztherapie. Damit soll verhindert werden, dass sich ein Schmerzgedächtnis entwickelt, welches Betroffene weiter in Richtung Schmerz sensibilisiert. Schmerzen bei Krebs müssen kein Schicksal sein. Mit einer modernen Schmerztherapie können sie weitgehend verdrängt werden, ohne von dem Medikament abhängig zu werden oder ohne Auftauchen von Gewöhnungseffekten.

Umgang mit krebsbedingten Schmerzen

Kontrolle des Behandlungsverlaufs

Auch bei einem metastasierenden Prostatakrebs ist eine Verlaufskontrolle der Behandlung notwendig. Hiermit können die Wirkung der Medikamente, weitere Krankheitsfolgen, aber auch mögliche Nebenwirkungen überwacht und ggf. schneller behandelt werden.

Bei der Verlaufskontrolle stehen der PSA-Wert und die Frage nach Beschwerden im Vordergrund. Ein steigender PSA-Wert oder Schmerzen in den Knochen können beispielsweise ein Hinweis sein, dass Knochenmetastasen vorliegen oder die Erkrankung anderweitig fortschreitet.

In welchen Zeiträumen – z. B. während einer Hormonentzugstherapie – eine Verlaufskontrolle notwendig ist, hängt von individuellen Gegebenheiten ab. In der Regel wird bei einer antihormonellen Therapie nach Einstellung alle drei bis sechs Monate eine Verlaufskontrolle durchgeführt.

Supportive Behandlung

Neben der gezielten Behandlung des Tumors sollte gleichzeitig den Folgen der Erkrankung und den therapiebedingten Nebenwirkungen durch eine sogenannte supportive Behandlung vorbeugend begegnet werden (englisch; supportive = unterstützend). Hierzu gehört beispielsweise die Behandlung von Übelkeit, Erbrechen oder Schmerzen. Auch die gezielte Behandlung einzelner Metastasen oder Unterstützung bei psychischen und sozialen Problemen gehört zur supportiven Behandlung

Kontrolle des Behandlungsverlaufs
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