Vorsorge und Früherkennung

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Die Prostatakrebs-Vorsorge: Mann braucht Sie

Männer sind Vorsorgemuffel. Während rund die Hälfte aller Frauen regelmäßig zur Krebsvorsorge geht, nehmen nur etwa 15 % der Männer diesen Service in Anspruch. Vermutlich stammt das unterschiedliche Verhalten hinsichtlich Vorsorge noch aus der frühen Zeit der Menschwerdung. Damals mussten Männer, um erfolgreich auf der Jagd zu sein, ihre eigene Sicherheit weitgehend ignorieren; jeder Tag war ein Kampf um das Überleben. Für Frauen hingegen standen eigene Sicherheit und die des Nachwuchses im Vordergrund.

Die Prostatakrebs

Das erhöhte Sicherheitsbedürfnis der Frau führt heute dazu, dass sie eher als ihr Partner bereit ist, über gesundheitliche Probleme zu sprechen oder frühzeitig einen Arzt aufzusuchen. Von Männern wird das Thema Krankheit eher als Schwäche und Leistungseinbuße empfunden und daher häufig ausgeblendet. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, sind Frauen für ihre Partner die idealen Berater und „Antreiber“, wenn es um das Thema Vorsorge geht. Aber: Verhaltensmuster beim Partner zu ändern, ist nicht einfach, es benötigt Geduld und eine gewisse Penetranz.

Fakten zur Früherkennung

Prostatakrebs ist mit mehr als 60.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland. Allerdings sterben fünf von sechs Männern mit Prostatakrebs nicht an dieser Erkrankung. Die Häufigkeit der Diagnose Prostatakrebs nimmt seit Jahren stetig zu. Dies liegt vermutlich daran, dass doch zunehmend mehr Männer die Vorsorgeuntersuchung wahrnehmen. Darüber hinaus haben sich die diagnostischen Methoden verbessert, sodass die Erkennung von Prostatakrebs in einem Frühstadium heute eher möglich ist.

Fakten zur Früherkennung
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Obwohl Prostatakrebs vor dem 50. Lebensjahr selten ist und die meisten Neuerkrankungen erst ab dem 70. Lebensjahr auftreten, lohnt es sich, das kostenlose Angebot der Vorsorgeuntersuchung schon ab dem 45. Lebensjahr konsequent wahrzunehmen.

Erste Anzeichen

Da Prostatakrebs vergleichsweise langsam wächst, gibt es vor allem in der frühen Phase seiner Entstehung wenig Anzeichen, die auf eine Erkrankung hinweisen. Warum ist das so? Die meisten Tumore in der Prostata wachsen in der äußeren Zone – also nicht benachbart zur Harnröhre. Probleme beim Wasserlassen, wie sie bei anderen Prostataerkrankungen typischerweise auftreten, machen sich meist erst dann bemerkbar, wenn der Tumor bereits an Größe gewonnen hat.

Einige ausgewählte Symptome, die auf einen Prostatakrebs hinweisen können:

  • Probleme beim Wasserlassen (z.B. vermehrter nächtlicher Harndrang, Unfähigkeit zu urinieren)
  • Schmerzen beim Samenerguss
  • Blut im Urin oder in der Samenflüssigkeit
  • Schmerzen in der Prostata
  • Starke Schmerzen im unteren Rückenbereich, in Becken, Hüfte oder Oberschenkeln

 

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Einige dieser Symptome sind auch typisch für eine gutartige Prostatavergrößerung oder andere Erkrankungen. Dennoch: Sicherheit geht vor. Wenn Ihr Mann oder ein Angehöriger über eine oder mehrere der genannten Beschwerden klagt, sollten Sie ihn zu einem Arztbesuch auffordern, um die Symptome abklären zu lassen.

Von Frau zu Mann

Verlauf

Vielleicht ist es ein tröstender Gedanke, dass Ihr Partner auch bei einer unheilbaren Erkrankung nicht alleine gelassen wird. Die sogenannte Palliativmedizin (lateinisch; palliare = mit einem Mantel bedecken) hat zum Ziel, den Patienten möglichst ohne Beschwerden, Ängste und therapiebedingte Belastungen – wenn gewünscht auch seelsorgerisch – zu begleiten. Ausdrücklich eingeschlossen sind dabei auch Sie als Partner, damit Sie in Ihrer psychischen Belastung aufgefangen werden.

Palliatives Vorgehen dient dem Erhalt oder der Verbesserung der Lebensqualität. Nach den medizinischen Leitlinien sollte ein erfahrenes, geschultes Team aus verschiedenen Fachrichtungen den Betroffenen zur Seite stehen. Wichtig ist, dass Sie und Ihr Partner frühzeitig über alle verfügbaren Betreuungsangebote und Behandlungsmöglichkeiten aufgeklärt werden. Hierzu gehört auch, dass gemeinsam ein individueller Behandlungsplan erstellt wird, der sich nach den Bedürfnissen und Wünschen Ihres Partners richtet. Der Plan dient dazu, alle akuten körperlichen und seelischen Beschwerden regelmäßig zu erfassen und damit vorbeugend und gezielt zu behandeln.

Der Gang zum Arzt ist für viele Männer unangenehm, vor allem dann, wenn der Arztbesuch mit einer für ihn als peinlich empfundenen Untersuchung verbunden ist. Hinzu kommt das alte Denkmuster, nach dem Motto: „Solange ich mich gesund fühle, ist kein Bedarf für Reparatur.“

Wie kann es Ihnen gelingen, Ihren Mann oder Partner umzustimmen?

Zunächst einmal kommt es darauf an, möglichst keinen Druck aufzubauen. Versuchen Sie zu überzeugen statt zu überreden. Dies gelingt durch eine motivierende Gesprächsführung, bei der Sie Ihren Partner behutsam an das gemeinsame Ziel „regelmäßige Vorsorge“ heranführen. Überzeugend wirkt auch, wenn Sie selbst regelmäßig zur Vorsorge gehen und damit Ihre innere Haltung zu diesem schwierigen Thema vorleben.

Bewusst werden

Im ersten Schritt sollte sich Ihr Partner bewusst werden, wie er sich im Moment verhält und welche Zweifel oder Bedenken ihn hindern, zur Vorsorge zu gehen. Stellen Sie ihm Fragen dazu.

Zwiespalt erkennen lassen

Jetzt geht es darum, den erkannten Widerstand umzulenken, indem Sie den Widerspruch in seinem Verhalten (keine Vorsorge zu betreiben) und seinem Anspruch oder seinem Verantwortungsgefühl (für sich und seine Familie gesund bleiben zu wollen) im Gespräch offenlegen. Manchmal hilft dabei ein bildhaftes Beispiel: Das Auto wird vom Mann als Vorsorgemaßnahme regelmäßig zur Inspektion gebracht. Wie sieht es jedoch mit der eigenen „Inspektion“ aus?

Perspektive ändern

Generell sollte jedes Anzeichen einer Bereitschaft zur Vorsorge gefördert werden. Dies kann z. B. dadurch gelingen, dass Sie Ihren Partner bitten, die drei wichtigsten Gründe für und gegen eine Vorsorge zu nennen. Ziel ist es dabei, Nachdenklichkeit und Einsicht zu erzeugen, die Vorsorge tatsächlich regelmäßig wahrzunehmen.

Gemeinsam stark sein

Möglich ist, dass im Rahmen der Vorsorge die Tastuntersuchung und der PSA-Wert im Ergebnis auf einen möglichen Prostatakrebs hinweisen. In der Zeitspanne bis zur Gewebeentnahme (Biopsie) und endgültigen Diagnose sind Ungewissheit, Sorgen und Ängste häufige Begleiter. Jetzt kommt es darauf an, das emotionale Chaos durch Gespräche zu ordnen und nicht gleich vom Schlimmsten auszugehen. Zeigen Sie Ihrem Partner, dass Sie für ihn da sind, ohne dabei übervorsorglich zu sein. Es ist verständlich, dass jetzt der Bedarf an Information sehr groß ist. Statt aber das Internet mit seinem ungefilterten Angebot zu durchforsten, sollten Sie sich gezielt dort informieren, wo Sie neutrale, aktuelle und medizinisch verlässliche Auskunft bzw. Aufklärung erhalten. Ihr erster Ansprechpartner bleibt der Urologe. Er berät Sie auch gerne in persönlichen Fragen.

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